Kaffee im 20. Jahrhundert

Kaffeeladen

Als 1750 noch 600.000 Säcke Kaffee produziert wurden, waren es 200 Jahre später schon 36 Millionen (heute sind es etwa 103 Millionen) und Brasilien war der größte Kaffeelieferant und ist es heute immer noch. Es liefert sowohl Kaffee Arabica, als auch die 1898 entdeckte Sorte Robusta. 2005 hat Brasilien 7,72 Millionen Tonnen Kaffee geerntet, davon werden ein Drittel im eigenen Land konsumiert. Im Eigenverbrauch bleiben jedoch die Philippinen geschlagen, 2001 bis 2003 verbrauchten sie nämlich 134% ihrer Kaffeeproduktion, was bedeutet, dass sie Kaffee importieren müssen. Nicht nur ein neues Jahrhundert, sondern auch ein neues Kaffeezeitalter brach an, als der Japaner Dr. Sartori Kato 1901 der Welt das lösliche Kaffeepulver vorstellte. 1905 sicherte sich der Bremer Ludwig Roselius das Patent für entkoffeinierten Kaffee, den er unter dem Namen "Kaffee HAG" vermarktete.


 


Erst 1938 traute man sich, den Pulverkaffee zu kommerzialisieren. Die Firma "Nestlé" legte den Grundstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Kaffee eine symbolische Bedeutung. In den schweren Phasen des Wiederaufbaus begleitete er die Menschen durch den harten Alltag. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders in den 50ern hieß Kaffee trinken auch gleichzeitig, sich etwas leisten zu können. Das beschreibt Ulla Heise, eine Kaffeeexpertin zutreffend: "Bohnenkaffee hat durch die Nachkriegszeit [...] nichts von seiner Prestigekraft verloren. Kaffee ist ein Getränk, an dem man die Lebensqualität festmachte. Wenn Bohenekaffee da ist, ist das Leben in Ordnung. Wenn Bohnenkaffee fehlt, ist das Leben nichts wert." Die Kaffeekrise in der DDR 1977 löste Proteste aus. Nach einem weltweiten Preisanstieg, der durch eine Missernte in Brasilien verursacht wurde, drohte die Kaffeeversorgung in Ostdeutschland zu stagnieren. Wie bereits in der Nachkriegsphase und zu Zeiten Friedrichs des Großen kam der Surrogatkaffee aus Getreide, Zuckerrüben oder Erbsen auf den Markt. "Erichs Krönung", wie man das Ersatzprodukt verspottete, stieß nicht nur bei Kaffeemaschinen in der Großküche und der Gastronomie auf Ablehnung. Die Bevölkerung kaufte aus Trotz nicht und so musste die Parteiführung nachgeben. Sie versprach echten Kaffee und tauschte in Äthiopien Stahlhelme gegen Bohnen ein. Nach Rohöl ist Kaffee heute das zweitwichtigste Handelsgut der Welt und die DDR gibt es nicht mehr.


 


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