Fritz und seine Kaffeeschnüffler - wie der Kaffee zum Volksgetränk wurde
Im Volk stieß der Kaffee auf positive Resonanz, weshalb auch oft der hohe Kaffeekonsum kritisiert wurde. Dem entgegen kam Johann Sebastian Bach 1732 mit seiner "Kaffeekantate", in der es heißt: "Coffee, Coffee muss ich haben, und wenn jemand mich will laben, ach so schenkt mir Coffee ein!" Da der Kaffee selten und teuer war, ersetzten ihn die ärmeren Bevölkerungsschichten in Krisenzeiten oft durch Malz - oder Zichorienkaffee, den Friedrich der Große entwickeln ließ, damit nicht so viele Devisen an das Ausland gingen, aus dem man teuer importieren musste. Besonders während der napoleonischen Kontinentalsperre 1806, konnte der "mocca faux" (daher wahrscheinlich die Bezeichnung "Muckefuck"), der so viel wie "falscher Mokka" bedeutet, seinen Absatz steigern. Der Siebenjährige Krieg (1757-1763) löste in Preußen ein Finanzproblem aus. Da Deutschland zu der Zeit keine Kolonien besaß, konnte es auch selber keinen Kaffeeanbau betreiben und musste von anderen Länder kaufen. Um das Kaffeemonopol bei der Regierung zu halten, setzte der preußische König Akzisenbeamte ein. Im Volk hießen sie gerechterweise Kaffeeschnüffler, denn ihre Aufgabe bestand darin, illegales Kaffeerösten in Haushalten zu "erschnüffeln" und die meist aus Holland geschmuggelten Bohnen zu konfiszieren. Nach dem Tod Friedrichs wurde der staatliche Kaffeebrennzwang aufgehoben und somit auch die Kaffeeschnüffler aus ihrem Amt entlassen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während des Pauperismus im Zuge der Industrialisierung, ist Kaffee endgültig zum Volksgetränk avanciert. Schon im 18. Jahrhundert begann er, Wein und Bier zu verdrängen. Der Kaffee erfreute sich großer Beliebtheit und es wurden bald Volksinitiativen gegründet, die so genannte Volkskaffeehallen einrichteten, um den ärmeren Bürger vom Alkohol fernzuhalten. In England sank der Alkoholkonsum nicht. Ob es daran liegt, dass der dort traditionelle Tee nicht die selbe Wirkung wie Kaffee hatte? Während das Großbürgertum und der Adel Kaffee mehrmals täglich in verschiedenen Variationen genossen, kam er in den unteren Schichten nicht selten als Kaffeesuppe auf den Tisch. Die weit verbreitete und von Friedrich dem Großen hoch geschätzte Biersuppe, die mit Wasser verdünnt und unter Beigabe von Brotkrummen als stärkende Mahlzeit galt, kam langsam aus der Mode. Das morgendlich Kaffeetrinken setzte sich durch und bald machte man auch aus dem schwarzen Sud eine schwarze Brühe, die wie die Biersuppe, auch mit Brot angereichert war. Sie füllte den Magen und war für das Portemonnaie des kleinen Mannes verträglich.

