Herbert List
Herbert List von Kaffee.de
Freitag, 3. November 2017
Fair-Trade-Kaffee

Fair-Trade-Kaffee
Von den Zielen, Erfolgen und kritischen Aspekten des fair gehandelten Kaffees

Kaffee zählt zu den weltweit bedeutendsten Handelsgütern. Für die meisten Bauernfamilien in den Kaffeeanbauländern ist die Kaffeeproduktion allerdings sehr arbeitsintensiv und gleichzeitig wenig gewinnbringend. Die Geschichte des Kaffes ist durch heftige Weltmarktpreisschwankungen geprägt, die für die Kleinbauern enorme Belastungen bedeuten. Hinzu kommen eine sich ständig verändernde Nachfrage, neue Anbieter und unvorhersehbare Umwelteinflüsse. Fair-Trade-Standards haben das Ziel, die Lage – also die Lebens- und Arbeitsbedingungen – der Kaffeeproduzenten zu verbessern und den Kaffeehandel fairer zu gestalten.

Siegel für Fair-Trade-Kaffee

Zu den bekanntesten Siegeln für Fair-Trade-Produkte gehören Fairtrade, Rainforest Alliance und UTZ-Certified. Jedes Siegel setzt unterschiedliche Schwerpunkte, doch verfolgen sie alle das gleiche Ziel: Die Verbesserung der Lebensqualität von Landarbeitern in Entwicklungsländern.

  • Fairtrade: Hierbei sollen insbesondere Kleinbauern gefördert werden. Mindestpreise, die Möglichkeit zur Vorfinanzierung von Ernteerträgen und zusätzliche Prämien sind feste Bestandteile des Standards.

  • Rainforest Alliance: Hier steht die Beziehung zwischen Produzenten und der Umwelt im Vordergrund. Den Bauern sollen landwirtschaftliches Wissen, Methoden zum nachhaltigen Anbau und zu eigenständigen Preisverhandlungen vermittelt werden.

  • UTZ-Certified: Dieses Siegel richtet sich vor allem an größere Bauernvereinigungen und Plantagen. Ziel ist es, den Anbau und das Farmmanagement zu professionalisieren.

Die Einhaltung der jeweiligen Standards wird durch ein Zertifizierungsverfahren überprüft. Dies geschieht mithilfe von unabhängigen Zertifizierungsstellen. Erfüllt eine Farm die siegelspezifischen Kriterien, darf sie zertifizierten Fair-Trade-Kaffee verkaufen.

Fairtrade-Kaffee: Ein Geben und Nehmen

In deutschen Supermärkten sehr häufig im Regal zu finden ist Fair-Trade-Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel. Das Siegel-System Fairtrade hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bauern eine wirtschaftlich sichere Basis zu schaffen. Dies geschieht, indem die Kleinbauern für ihren Fairtrade-Kaffee, unabhängig vom aktuellen Weltmarktpreis, immer einen festen Mindestpreis erhalten plus zusätzliche Prämien für ökologisch angebauten Bio-Kaffee. Liegt der Weltmarktpreis über dem Fairtrade-Preis, wird den Kaffeebauern der höhere Preis ausgezahlt. Um das Verschuldungsrisiko bei möglichen Ernteausfällen zu minimieren, erhalten die Bauern auf Wunsch eine Vorfinanzierung der Ernte. Darüber hinaus profitieren die Bauern von einer Fairtrade-Prämie, mit der die Qualität und Produktion von Fairtrade-Kaffee verbessert wird und soziale und wirtschaftliche Projekte, die der Gemeinschaft zu Gute kommen, unterstützt werden.

Wer Fair-Trade-Produkte, insbesondere Fairtrade-Kaffee verkaufen möchte, muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Zum einen arbeitet Fairtrade nur mit Kleinbauern zusammen, die sich zu politisch unabhängigen Organisationen oder Kooperativen zusammengeschlossen haben. Zum anderen bedeutet fairer Handel und fairer Kaffee die Einhaltung verschiedener Kriterien:

  • Kinder- und Zwangsarbeit ist verboten

  • Diskriminierungen am Arbeitsplatz sind untersagt

  • Es müssen bestimmte Umweltstandards eingehalten werden

Kritik am Fairtrade-Kaffee-System

Der Handel mit Fair-Trade-Produkten boomt. Ob Bananen, Zucker, Reis oder Pfeffer – auf vielen Lebensmitteln ist das Fairtrade-Siegel zu finden. Verkaufsschlager Nummer eins ist und bleibt jedoch der Fairtrade-Kaffee. Viele Wirtschaftswissenschaftler halten das Fairtrade-System zwar für eine gute Idee, doch wird diese in den Augen der Experten allerdings schlecht umgesetzt. Sie sind der Meinung, dass sich für die Kaffeebauern in den betroffenen Ländern aus dem Verkauf von Fairtrade-Kaffee langfristig keine positiven Effekte ergeben würden. Das System sei für die Bauern ineffizient, da die wirtschaftlichen Vorteile durch die hohen Kosten für die Zertifizierung auf ein Minimum sinken würden.

Fairer Handel bedeutet im eigentlichen Sinne höhere Preise beziehungsweise ein höheres Einkommen für Erzeuger. Doch nicht immer erhalten Kaffeebauern mit dem Verkauf von Fairtrade-Kaffee höhere Löhne. Ein Großteil der Gewinnmargen für fair gehandelte Produkte wird von Handelsriesen in den Industrieländern eingestrichen.

Auch in puncto Qualität üben viele Wissenschaftler und Branchenkenner Kritik am Fairtrade-System. Der Vorwurf: Das Fairtrade-Siegel sei kein Qualitätssiegel, sondern eine Art „Gewissenssiegel“, da Fairtrade keine umfassenden Qualitätskontrollen durchführen würde. Doch wie erklärt sich diese Behauptung? Das Problem liegt im Fairtrade-System selbst. Fairtrade nimmt den Bauern nicht die gesamte Kaffeeernte ab. Ein großer Teil des Kaffees landet auf den freien Markt, wo der Kaffeebauer für hochwertigere Qualitäten mehr Geld bekommt. Der Verdacht: Da der Bauer bei Fairtrade immer einen Mindestpreis erhält, wird er die Ernte mit minderwertiger Qualität an Fairtrade abgeben und den hochwertigeren Kaffee zum höheren Weltmarktpreis verkaufen. Das Fairtrade-System sei also keine Garantie für hochwertigen Kaffee. Viele Röster verlassen sich daher schon lange nicht mehr auf das Zertifizierungssystem, sondern handeln direkt mit den Kaffeebauern und Kooperativen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass fairer Handel zwar einen guten Ansatz verfolgt, die eigentliche Umsetzung allerdings noch sehr verbesserungswürdig ist. Demnach ist der Handel mit Fairtrade-Kaffee als ein Prozess anzusehen, der einer steten Optimierung und Weiterentwicklung bedarf. Fairer Handel sollte ein alternatives Wirtschaftsmodell sein, keine reine Marketingstrategie. Konsumenten sind bereit einen höheren Preis für Fair-Trade-Produkte zu zahlen, doch sollten diese auch die gewünschte Qualität aufweisen und das mehr gezahlte Geld zum großen Teil bei den jeweiligen Kaffeebauern landen und nicht bei den Händlern.

Last updated 3 mins ago

Tägliches Update · 03.12.2017

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